Beirat zum flächensparenden Bauen

Flächensparende städtebauliche Konzepte sind nur möglich, wenn diese aus der örtlichen Perspektive heraus als angemessen wahrgenommen werden. Dazu wurde ein „Beirat für flächensparendes Bauen“ ins Leben gerufen, mit dem Gemeinden, die sich die Entwicklung eines Wohngebietes vornehmen, bei der Erstellung einer flächensparenden städtebaulichen Konzeption unterstützt werden. In einem ersten Schritt erfolgte dazu eine Zusammenarbeit mit den drei Mitgliedsgemeinden Hirschberg, Ilvesheim und Ladenburg. 

Wesentliches Ziel war es, bauliche Dichten und städtebauliche Strukturen zu erproben, die über das Einfügen in die umgebende Siedlungsstruktur hinausgehen und neue kompakte Schwerpunkte darstellen, die aber gleichzeitig städtebaulich und ökologisch vertretbar sind. Im Fokus der Beratungen standen die städtebauliche Konzeption des zukünftigen Baugebiets, die damit einhergehenden baulichen Dichten sowie die Einbindung in die umgebende Bebauung.

Weiter war es zentrale Zielsetzung, die flächensparenden Siedlungskonzepte möglichst nah an die kommunalen Entscheidungswege heranzubringen. Daher waren Vertreter aus allen Fraktionen des Gemeinderats eingeladen, im Zuge der Beiratssitzungen mit den Experten aus Städtebau und Landschaftsarchitektur sowie Vertretern der Verwaltung und der Planungsverbände zusammenzuarbeiten und im Format eines „Werkstattgesprächs“ städtebauliche Konzepte zu erarbeiten. Auf diese Weise konnten Lösungen gefunden werden, die die örtlichen Sichtweisen berücksichtigen, die eine harmonische Fortentwicklung des Siedlungskörpers darstellen und die trotzdem möglichst flächensparend sind. 

Planung eines Wohngebiets mit farbigen Papiermarkierungen und Entwurfselementen auf einem Tisch

Entwicklung erster Skizzen 
© NV/Müller

Organisation

Im Zuge des MORO wurde der Beirat wie folgt organisiert: Als Beiratsmitglieder wurden drei Fachleute aus Städtebau und Landschaftsarchitektur eingebunden, die während der Beiratssitzung in engem Dialog mit den weiteren Teilnehmenden Entwürfe entwickelt haben. 

Je Kommune wurden zwei Beiratssitzungen durchgeführt, an denen neben den drei Beiratsmitgliedern und einem externen Planungsbüro, Vertreter des Regionalverbandes und des Nachbarschaftsverbandes, der jeweilige Bürgermeister sowie Vertreter der Verwaltung und der Gemeinderatsfraktionen teilnahmen. Formal sind durch die Teilnahme keine Verpflichtungen für die Kommune entstanden.

Schaubild zu Teilnehmenden der Beiratssitzungen mit Beirat, Bürgermeistern, Verwaltung, Gemeinderatsfraktionen, Verband Region Rhein-Neckar und Planungsbüro

Teilnehmende an den Beiratssitzungen 
© NV/VRRN

Auf Basis der Empfehlungen aus der ersten Beiratssitzung erarbeitete ein Planungsbüro drei Testentwürfe für das jeweilige Baugebiet mit unterschiedlichen städtebaulichen Typologien und verschiedenen baulichen Dichten, die im Rahmen der zweiten Beiratssitzung zur Diskussion gestellt wurden. Abschließend gaben die drei beratenden Beiratsmitglieder eine Empfehlung zu den Entwürfen ab und gaben Hinweise, wie die Umsetzung im weiteren Verfahren gesichert werden kann. Ziel des MORO war es, dass diese in den weiteren Planungsprozess der Gemeinde Eingang finden. Im Nachgang wurden die Ergebnisse in einer Gremiensitzung vorgestellt, diskutiert und es wurde ein Beschluss gefasst, in welcher Weise die Ergebnisse des Beirats Gegenstand des weiteren Verfahrens werden.

Die Dokumentation der Ergebnisse der Beiratssitzungen finden Sie nachfolgend.

Mitglieder des Beirats bei einer Präsentation zu städtebaulichen Planungen vor einer Kartenübersicht

Der Beirat für flächensparendes Bauen bestehend aus (v.l.n.r.) Frau Prof. Elisabeth Merk, Herrn Prof. Stefan Rettich, Frau Prof. em. Undine Giseke
© NV/George

Ilvesheim

Zwischen Dezember 2023 und April 2024 fanden zwei Sitzungen des Beirats für flächensparendes Bauen in der Modellkommune Ilvesheim statt. Inhaltlich lag der Fokus auf dem Baugebiet „Sichelkrümme“, für das auf Grundlage der Werkstattgespräche vom Büro MESS Stadtplaner drei unterschiedliche städtebauliche Varianten erstellt wurden. Bei dem Plangebiet handelt es sich um eine bisher landwirtschaftlich genutzte Arrondierungsfläche mit einer Größe von ca. 1 ha am nördlichen Ortsrand der Gemeinde. Alle Entwürfe vereint ein Hochpunkt im Norden der Fläche, der den neuen Ortseingang ausbildet. Im Detail unterscheiden sich die Konzeptionen im Hinblick auf ihre Höhenentwicklung und die Bezüge zur Landschaft. Die Dichtewerte der drei Varianten haben eine Bandbreite zwischen 79 und 114 Wohneinheiten pro Hektar und bilden die Unterschiede in den jeweiligen städtebaulichen Konzeptionen und Bautypologien ab. 

Illustration eines städtebaulichen Entwurfs mit Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Grünflächen in Ilvesheim

Ilvesheim: städtebaulicher Entwurf 
© MESS Stadtplaner

Im November 2024 hat der Gemeinderat Ilvesheim beschlossen Variante 3 als Grundlage für das Baugebiet „Sichelkrümme“ weiterzuverfolgen. Der Entwurf sieht ein Ensemble aus einem freistehenden siebengeschossigen Hochpunkt am Ortseingang und zwei abgewinkelte Zeilenbauten vor, die zwei Höfe ausbilden. Die Geschossigkeit der beiden Baukörper variiert zwischen drei und fünf Geschossen. Zur bestehenden südlichen Nachbarschaft wird durch die zurückgesetzten Gebäude ein angemessener baulicher Abstand eingehalten.

Wichtige Dokumente

Teilnehmende diskutieren gemeinsam über städtebauliche Planungsunterlagen an einem Tisch

Ilvesheim: Einblick in die Werkstattgespräche 
© NV/Mueller

Ladenburg

In Ladenburg haben zwei Beiratssitzungen zwischen Dezember 2023 und April 2024 stattgefunden. Im Rahmen der Werkstattgespräche wurde für das so genannte ABB-Areal, eine ca. 11 ha große, bisher gewerblich genutzte Fläche im Westen der Stadt, drei städtebauliche Konzepte erstellt. Zentrales Entwurfselement aller drei Entwürfe ist eine Freiraumverbindung in Ost-West-Richtung, die die siedlungsstrukturell derzeit eher entkoppelte Weststadt mit der Altstadt verbindet. Auf Basis der zentralen Achse ergibt sich ein gemeinsames Erschließungs- und Freiraumgerüst, aus den mehrere Baufeldern für die Quartiersentwicklung entstehen. Aufgrund der stadträumlichen Lage und der baulichen Nachbarschaft ist eine eher gewerbliche Nutzung im Norden und ansonsten eine wohnbauliche Entwicklung vorgesehen. Alle Entwürfe enthalten Vorschläge für einen flächensparenden Wohnungsbau, die sich städtebaulich in den Varianten unterscheiden. Die Dichtewerte variieren zwischen 73 und 94 Wohneinheiten je Hektar.

Illustration eines städtebaulichen Entwurfs mit Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Grünflächen in Ladenburg

Ladenburg: städtebaulicher Entwurf 
© MESS Stadtplaner

Im September 2024 wurden die Entwürfe im Gemeinderat vorgestellt. Im Dezember 2024 folgte eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung mit Gelegenheit zur Diskussion sowie im Oktober 2025 die Zustimmung des Gemeinderats, die erstellten Entwürfe zum Wohnungsbau hinsichtlich baulicher Kubaturen und städtebaulicher Dichten als grundsätzliche Orientierung für die weiteren Planungen zugrunde zu legen. Mit der weiteren Bearbeitung wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft Ladenburg mbH (STEG) betraut.

Wichtige Dokumente

Fachleute besprechen städtebauliche Planungen anhand von Karten und Entwürfen in einem Workshopraum

Ladenburg: Einblick in die Werkstattgespräche 
© NV/George

Hirschberg

ie Beiratssitzungen in Hirschberg haben zwischen April 2024 und Januar 2025 stattgefunden. Die für die Entwicklung vorgesehene Fläche „Rennäcker“ mit einer Größe von ca. 5 ha liegt im Nordwesten des Ortsteils Hirschberg-Leutershausen in einem besonders attraktiven Landschaftsraum. Für Hirschburg wurden mehrere Entwurfsansätze erstellt, wobei im Nachgang der 2. Beiratssitzung eine Variante nochmals fortgeschrieben wurde.

Illustration eines städtebaulichen Entwurfs mit Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Grünflächen in Hirschberg

Hirschberg: städtebaulicher Entwurf 
© MESS Stadtplaner

Der Entwurf sieht ein gemischtes Wohnquartier vor. Im Westen ist eine aufgebrochene Blockstruktur mit Geschosswohnungsbau und Reihenhäusern vorgesehen, die sich jeweils um gemeinsame Freiräume gruppieren. Im Osten sieht der Entwurf als zentrales Freiraumelement eine öffentliche Grünfläche vor, an die Mehrfamilien- und Reihenhäuser grenzen. Auf dem nördlichen Baufeld bilden mehrere Gebäudegruppen den neuen Ortsrand aus. Durch die Gebäudeanordnung entstehen Grünflächen, die entsprechende Blick- und Wegebeziehungen in die Landschaft ermöglichen. Die Gebäudehöhe liegt im gesamten Quartier überwiegend bei drei Vollgeschossen, teilweise sind städtebaulich entsprechend platzierte fünfgeschossige Hochpunkte vorgesehen. Im Übergang zur Bestandsbebauung ist die Geschossigkeit mit Rücksicht auf die bauliche Nachbarschaft reduziert. Die bauliche Dichte des Entwurfs liegt bei 70 Wohneinheiten pro Hektar. Der Dichtewert ist als hoch anzusehen und steht gut in Einklang mit vergleichbaren aktuellen Baustrukturen im Verdichtungsraum.

Der Gemeinderat hat am 25.03.2025 beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen und dabei das im MORO entwickelte städtebauliche Konzept zugrunde zu legen. Nach einem örtlichen Bürgerentscheid vom 30.11.2025 soll das Verfahren wie geplant fortgeführt werden.

Wichtige Dokumente

Teilnehmende betrachten und diskutieren städtebauliche Entwürfe auf Stellwänden bei einem Workshop

Hirschberg: Einblick in die Werkstattgespräche 
© VRRN/ Kohleber

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Ilvesheim

Ladenburg

Hirschberg